CHRISTKÖNIGKIRCHE: Unter der Leitung von Ralf Schnitzer führt der Kammerchor „Young Vocals“ das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms auf 
 
Der Grundgedanke ist dem Leben zugewandt

Von unserer Mitarbeiterin Maria Herlo
 
Für den Chor "Young Vocals", getragen vom Bonhoeffer-Gymnasium und dem Sängerbund Germania, gab es am Ende des Requiems jede Menge Beifall. © Lenhardt 
 
Eppelheim. Einige Sekunden war es ergreifend still in der fast vollen Christkönigkirche, bevor der Applaus losbrach. Zufrieden nahmen ihn die Aufführenden entgegen, denn die geleistete Arbeit war in diesem Fall keine geringe. Eine Aufführung des "Deutschen Requiems" von Johannes Brahms (1833 - 1897) stellt jeden Laienchor vor große Herausforderungen. Diesen haben sich die Sängerinnen und Sänger von "Young Vocals" in Kooperation mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und dem Sängerbund Germania unter der Leitung von Ralf Schnitzer gestellt.
 
Schon der erste A-cappella-Aufruf in der Motette "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" zog die Zuhörer förmlich in die Musik hinein. Doch warum beschäftigen sich junge Leute mit dem Thema Tod und Vergänglichkeit? Eine berechtigte Frage, die auch
das Programmheft aufgreift und zur Schlussfolgerung kommt: Jugendlichen ist auf jeden Fall die Beschäftigung mit Tod, Trauer und Trost zuzumuten, besonders wenn es um eine Musik geht, die "von einem Tiefgang der Seele" zeugt. 
 
Brahms selbst war sehr jung, als er am Requiem zu arbeiten begann. Das macht die Komposition zu einem außergewöhnlichen Werk, aber auch, weil Brahms nicht die lateinischen Sätze der katholischen Liturgie vertont, sondern deutsche Texte aus dem
Alten Testament zusammenstellt, die Vergänglichkeit und Ewigkeitshoffnung, eine wesentliche Frage menschlichen Daseins, thematisieren. Das Ergebnis ist ein den Menschen tröstender Text und eine wunderbare, bis heute aktuelle Musik.
 
Emotionale Intensität
Zu verdanken ist diese Einsicht auch der jugendlichen Verve, der emotionalen Intensität und Frische, mit der das fast 50-köpfige Ensemble dieses Werk zur Aufführung brachte. Schnitzer hat intensiv mit den Sängern gearbeitet, an Tempo und Klangfarbe, an der
Harmonie der Stimmen und der Artikulation. Die reine Intonation und das emotionale Engagement, das staunen machte, braucht den Vergleich mit einer professionellen Formation nicht zu scheuen. 
 
Die Meditation über die Vergänglichkeit allen Fleisches ("Alles Fleisch, es ist wie Gras"), der Schrei aus tiefster Not ("Nun Herr, wes soll ich mich trösten?"), die mit Jauchzen verkündete Glaubensgewissheit der Erlösung und die Verheißung ewiger Freude - all
diese Stimmungen vermochte der Chor eindringlich zu vermitteln. Der Dirigent brachte inden mi teinander korrespondierenden Motetten, Fugen und Chorälen die Musik mit frappierender Wirkung zu sprechen. Dem lyrischen Fluss der Rahmensätze stand das
dramatische Auf und Ab des zweiten und des sechsten Satzes gegenüber. Packend, wie er den Übergang vom schattenhaften "Denn wir haben hie keine bleibende Statt" zum Ausbruch des Vivace-Teils gestaltet hat, und wie der Kampf zwischen Leben und Tod in der Fuge in Gelassenheit endete. 
 
Ausgezeichnete Solisten
Dank der ausgezeichneten Solisten Eva Krieger, Sopran, und Jascha Ruebeling, Bariton, und der Instrumentalbegleitung, Philip und Tilman Rivinius am Klavier und Christoph Kalmbach am Schlagzeug, wurde den Zuhörern die unglaubliche Schönheit dieser Musik
deutlich gemacht. Silberhell schwebte Eva Kriegers Sopran über dem Chor, als er die Vision künftiger Freude ankündigte, zu intensiver Versenkung führte Jascha Ruebeling mit seinem mahnenden Ausruf "Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss". "Mein Leben ist wie nichts vor dir", sang er, und gerade in dem Wort "nichts" scheint die gesamte Tragik des Sinnsuchers Brahms auf. Die Grundhaltung des Werks ist jedoch tröstlich, es ist keine Totenfeier, sondern den Lebenden gewidmet. Dieser Trost kam auch im lichten Klang des Klaviers zum Ausdruck, in der subtilen Abmischung mit dem Schlagzeug. 
 
Das Publikum in der Christkönigkirche folgte dem Konzert andächtig und begeistert. Am Ende brach ein Jubel sondergleichen aus. Mit stehenden Ovationen feierte es die großartige Leistung aller Mitwirkenden. 

© Schwetzinger Zeitung, Montag, 21.03.2016

 

Tiefe Romantik war im Gotteshaus zu hören
 
Kammerchor „Young Vocals“ begeisterte in der Christ-König-Kirche – Musikalisch wurde auf die Osterzeit eingestimmt
 
Von Roland Fink
 RNZ 24032016
Es ist keine fröhliche Musik. Kein locker-leichtes Jauchzen, nicht etwas, was mitzusummen wäre. Schon der erste Satz in d-Moll erklingt düster, dennoch eindringlich und wegweisend. Mit dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms hatten sich die „Young Vocals“ eine große Last aufgebürdet – und diese, um das vorweg zu sagen, mit Bravour gemeistert. Ralf Schnitzer hatte in eine Schatzkiste gegriffen und erneut ein Meisterwerk eines der tiefen Romantik verschriebenen Komponisten aufgeführt.
 
Das Gefüge aus Sängerbund Germania und Sängerinnen und Sängern des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums wirkte wie aus einem Guss, die Christ-König-Kirche war der geeignete Raum für diese Motette. Schnitzer als Gesamtleiter des Konzertes schöpfte aus dem Vollen, gewann die besten Stimmen aus dem Gymnasium und kann auf Erfahrung altgedienter, konzerterprobter Kräfte setzen.
„Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?“ Langsam, geschmeidig, ausdrucksvoll wird der Weg aufgenommen in die Zeit der Passion, in die Zeit umOstern.Brahmshat sich Texte aus dem Alten und dem Neuen Testament gegriffen, Lutherchoräle hinzugefügt, sich auf seine Missa Canonica besonnen und daraus dieses Sterbeamt, diese Totenmesse, komponiert. Leid und Trost halten das Werk zusammen, passieren die Seligpreisungen, die Barmherzigkeit bis hin zur Verheißung.
 
Eva Krieger im Sopran und Jascha Ruebeling im Bariton gaben als Solisten der Interpretation ihren zustehenden Raum. Philip und Tilman Rivinius an den Flügeln unterlegten die mystischen Andeutungen aus dem Buch Hiob und den Klageliedern des Jeremias.Was durch den Paukisten Christoph Kalmbach eindrucksvoll unterstrichen wurde.
 
Konzentriert ging das Ensemble zur Sache. Der 2001 gegründete Kammerchor „Young Vocals“ gibt sich nicht mit Mittelmaß zufrieden und Ralf Schnitzer als steter Motor auf hoher Drehzahl fordert Höchstleistung. Was erneut deutlich wird bei diesem Requiem. „Selig, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ – das stellt den Trost wieder in den Mittelpunkt. Aus Psalmen und Offenbarung
wird ein Werk vollendet.
 
Dieses ergreift auch die Zuhörer. Die waren natürlich ganz bei der Sache und waren nicht nur aus Bekanntschaft der Verwandtschaft zu den Aufführenden in die Kirche gekommen. Der Chor ist Garant für einen Konzertgenuss von höchster Qualität, von Werktreue und von einer Einstudierung, die einen Abend lang in die Welt der wirklichen Klassiker entführt.
Dass zudem das Requiem im Kontext zu Ostern und der Passionszeit steht, prägte diese Aufführung zusätzlich. 

© Rhein-Neckar Zeitung, Donnerstag/Freitag, 24./25.März 2016

 

 

„young vocals“ gestalteten ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches A-cappella-Konzert in der Eppelheimer Josephskirche
 
Eppelheim.(heb) Vor genau zehn Jahren gaben die „young vocals“ ihr erstes Konzert. Es fand damals in der Reihe „Musik in der Josephskirche“ statt. Und genau an diesem Ort knüpfte der junge Chor jetzt an und bot eine Auswahl aus dem Repertoire der letzten zehn Jahre: ein bunter Strauß anspruchsvoller A-cappella Chorliteratur aus vier Jahrhunderten. Aufgeteilt war das Programm in vier Blöcke zu je sechs Stücken. Einem Block geistlicher Musik folgte einer mit weltlicher und im zweiten Teil des Konzerts war es gerade umgekehrt.
 
Die mehr als vierzig jungen Sängerinnen und Sänger verzauberten ihr Publikum mit – bei aller Perfektion – natürlich wirkenden Stimmen. Die hervorragende Akustik des Kirchenraums ließ diese einzeln zur Geltung kommen und zugleich zu einem harmonischen Klangkörper verschmelzen. Zur Ausgewogenheit des Chorklangs trug die Tatsache bei, dass sich Männer- und Frauenstimmen annähernd die Waage hielten. James Erbs Shenandoah ließ direkt erlebbar werden, wie nach einem ein-stimmigen Satz für Frauen- und einem für Männerstimmen der vielstimmige Zusammenklang erhabene Klanggebilde schuf. Präzise umgesetzt war der Sprechchor „Fuge aus der Geographie“ von Ernst Toch, dessen Witz erst in der Perfektion zutage tritt. Hinreißend auch das „Ave Maria“ für doppelten Männerchor von Franz Biebl, dessen warmer Klang getragen wurde von einem Fundament sonorer Bassstimmen.
 
Der Chor reagierte sehr genau und intonationssicher auf das umsichtige Dirigat von Chorleiter Ralf Schnitzer. Sensibel und zurückgenommen gestaltete er Brahms träumerische Waldesnacht wie auch den achtstimmigen Satz „If the day is done“ des zeitgenössischen Komponisten Vytautas Miskinis. Er steigerte Eric Whitacres „Sleep“ zu schrillen und klangmächtigen Dissonanzen eines Albtraums, bevor die Musik leise verebbte und dabei einen weichen Klangteppich bildete.
 
Spannend erzählt war auch Distlers dramatische Version des Feuerreiters. Dem Hauptchor derSchütz-Motette „Jauchzet dem Herrn“ antwortete ein exquisites Echo von der Empore. Mit einem Gospel endete das Programm, doch das Publikum hatte noch nicht genug und forderte mit stehenden Ovationen und anhaltendem rhythmischen Klatschen gleich zweimal Zugaben ein. Mit John Rutters Stücken „God be in my heart“ und „Amen“ entführten die „young vocals“ die Zuhörer noch einmal in sphärische Gefilde.
 
Auch Hanna Hahne, die seit 1989 die Konzertreihe organisiert und sich über den Auftritt der „young vocals“ als „musikalisches Highlight“ besonders freute, war restlos begeistert. An beiden Abenden sei die Kirche voll gewesen. Jannis Schnitzer, Sohn des Chorleiters, berichtete, dass die Chormitglieder für das Konzert ihre Lieblingsstücke auswählen durften. Die Sänger stammten überwiegend aus den Singklassen seines Vaters am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Es handle sich um ein musikpädagogisches Konzept, das der Musiklehrer mit den Schülern entwickelt habe und das als „Eppelheimer Modell“ seither auch international Schule mache. Um den Chor auf eine breitere Basis zu stellen, sei er dem Sängerbund Germania Eppelheim angegliedert worden.
 
 
MUSIK IN DER JOSEPHSKIRCHE: „young vocals“ begeistern mit Premiere ihres neuen und sehr anspruchsvollen Programms „Into the light“
 
Beinahe mystische Momente erlebt
 
Von unserer Mitarbeiterin Dominique Kreichgauer
 
Vom ersten Moment an zeigte der Chor "young vocals" beim Konzert in der Josephskirche sein enormes Können. © Lenhardt 
 
"Ich denke, es wird ein fantastischer Abend. Es wurde betont, dass es sich um sehr anspruchsvolle Musik handelt", sagte Stefanie Zehe (27). Die Erwartungen der Zuhörer, die am Samstagabend zum Konzert der "young vocals" gekommen waren, wurden nicht enttäuscht. "Wir haben das Programm komplett neu erarbeitet", berichtete Tenor Volker Heimbeck im Gespräch mit unserer Zeitung. "Der Chor hat sich sehr entwickelt, das Programm heute ist deshalb noch anspruchsvoller als das letzte."
 
Chor feiert Premiere
Eine Premiere war es, die das Publikum in der Josephskirche erleben durfte. Nicht nur wurde das neue Programm "Into the light" zum ersten Mal aufgeführt, auch die strikte Trennung des 46 Mann starken Kammerchores in einen großen und einen kleinen Chor wurde zum ersten Mal versucht. "Diese Trennung spiegelt auch den Inhalt des Konzerts wider", erklärte Chorleiter Ralf Schnitzer. "Der Gesamtchor zerfällt und findet im finalen Stück wieder zusammen."
 
"Into the light" schuf einen Spannungsbogen vom Tod zur Erlösung, von der verzweifelten hiob'schen Frage des "Warum" in Johannes Brahms Motette "Warum ist das Licht gegeben" zum Lobgesang Gottes in Johann Sebastian Bachs "Singet dem Herrn ein neues Lied". Im Verlauf des Konzerts wechselten sich großer und kleiner Chor mit Teilen aus "Vier Choralmotetten op. 102" von Heinrich von Herzogenberg und "Sechs geistliche Lieder nach Texten von Eichendorff" von Hugo Wolf ab.
 
Von enormem Können geprägt
Vom ersten Moment an zeigte der Chor sein enormes Können. Starke Crescendi und schwierige Subito Piano meisterte der Chor souverän. Die kaum hörbaren Pianissimo-Stellen überzeugten dabei ebenso durch perfekte Intonation, wie das kraftvolle Forte. Das herrliche Zusammenspiel der Stimmen ging unter die Haut, doch erst zur Pause durfte das Publikum seiner angestauten Begeisterung Ausdruck verleihen.
Im zweiten Teil des Konzerts verweilte Herzogenbergs "O Traurigkeit, o Herzeleid" noch in der matten Stimmung des Todes, Wolfs fünfte Motette "Erhebung" hingegen leitete bereits hin zu Johann Sebastian Bachs achtstimmiger Motette für Doppelchor, "Singet dem Herrn ein neues Lied", die Schnitzer als fulminantes Finale gewählt hatte. Die Sänger holten noch einmal alles aus sich und ihren Stimmen heraus, legten ihr ganzes Herzblut in dieses furiose Chorwerk.
Die beiden Chöre spielten sich die Stimmen gegenseitig zu, die sich auf immer diffizilere Weise übereinanderschichteten. Kristallklare Soprane, die sich in ungeahnte Höhen schwangen, jubelnde Triller, Sprünge, Verzierungen ließen den Lobgesang Gottes spürbar werden und führten das Konzert zu einem grandiosen Abschluss.
"Bravo", schallte es aus dem Publikum, kaum, dass der letzte Ton verklungen war. Stehende Ovationen und minutenlanger, begeisterter Applaus belohnten die Sänger für ihre herausragende Leistung.
"Es war überragend und hat meine Erwartungen noch übertroffen, obwohl ich schon mit sehr hohen Erwartungen hierhergekommen bin", erklärte Sascha Reinhard (28) begeistert. "Das war wirklich keine leichte Musik, die die jungen Leute zu Gehör gebracht haben, eine sehr gute Leistung", befand Margrit Weber (74).
Diese Meinung bestätigte Sängerin Mareike Sauer. "Das letzte Stück war besonders herausfordernd, weil da zwei Chöre ganz exakt aufeinander hören müssen. Die Anspannung vor dem Konzert war groß. Aber es hat alles geklappt, auch bei meinen Angststücken", verriet die 16-Jährige.
Chorleiter Ralf Schnitzer zeigte sich ebenso zufrieden. "Ich bin dankbar für den Verlauf des Konzerts. Als Musiker ist man ja nie ganz zufrieden. Man strebt nach Vollkommenheit, die Realität jedoch ist nie perfekt. Aber es gab Momente, in denen es beinahe mystisch wurde."
 
 
© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 12.11.2013
 
 
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